Mittwoch, 24. Oktober 2007

c'est la vie, la vie canadienne

Die Tage ziehen ins Land, der kanadische Herbst zeigt sich von seiner wunderschönsten Seite, das Leben geht seinen Weg und gewisse Internetseiten beginnen leicht anzustauben...
Doch dagegen wird jetzt wieder mit aller Macht vorgegangen, ich möchte euch ja an all den vielseitigen Ereignissen teilhaben lassen, die sich hier so abspielen.

Wie bereits erwähnt, der Herbst ist nun endgültig da, mit frischen -2° am frühen Morgen, ordentlich Regen und vor allem tollen Farben in der ganzen Gegend (siehe die traumhaften Aussichten vom Berg und die "Deuschlandbäume nebenan...;-) ). Und in den letzten drei Tagen hatten wir schließlich das, was sich "Indian Summer", oder in Québec vielmehr "l'été indienne" nennt, direkt nach einer Bodenfrostphase kurze zeit enrom vielen Sonnenschein und noch einmal Temperaturen von bis zu 25°, sozsuagen als endgültigen Abschied von der Schönwetterzeit...

In der communauté geschehen in der letzten Zeit eine ganze Menge Dinge. Neulich haben wir den Geburtstag von Yancey gefeiert, was dieser sichtlich und in der ihm üblichen Exzessivität genossen hat... Beeindruckend war allerdings sein Verhalten, als wir eine Kerze rumgehen lassen haben und jeder ein paar Worte zu ihm gesagt hat. Yancey war absolut still (was an sich schon ein kleines Wunder ist) und hat jedem ganz tief in die Augen gesehen, wirklich jedem aufmerksam zugehört, man hat es gemerkt, einfach unglaublich. Das Leben hält aber leidergottes auch traurige Momente bereit, so ist vor kurzem der Vater einer Person aus Fleur de Soleil verstorben, der Trauergottesdienst war gestern Vormittag und alle waren da, ein sehr bewegender Augenblick.
So gehen die Dinge ihre Wege, nach nunmehr fast drei Monaten (gottchen, wie die Zeit vergeht...) kann ich wirklich sagen, dass ich mich hier wohl fühle. Dazu gehört auch die Tatsache, dass ich mich hier seit kurzem außerhalb der Arche ein wenig in Beloeil einniste, ich singe seit zwei Wochen im Kirchenchor hier, jeden Donnerstag Abend und sonntags zu den Gottesdiensten. Es macht sehr viel Spaß, auch wenn ich den Altersdurchschnitt ein wenig auf den Kopf stelle sind die Menschen dort wirklich sehr offen und einladend. Letzten Sonntag war mein Foyer auch in "meiner" Kirchte zum Gottesdienst, und die Personen, natürlich mal wieder insbesondere Yancey, haben sich kaum eingekriegt vor Überraschung mich vorne stehen zu sehen...
Währenddessen hat hier die Eishockeysaison begonnen, und da wir mit Harold einen passionierten Fan in unserem Haus haben wird jetzt öfter der Fernseher zu den Live-Übertragungen eingeschaltet, zum Glück aber maximal einmal die Woche, denn Spiele gibt es alle drei Tage, das hält man ja nicht aus... Jedenfalls stelle ich fest, dass zwischen dem deutschen und kanadischen Eishockey wirklich Welten liegen, hier geht es auf gut Deutsch richtig ab, die Spiele sind unheimlich intensiv, macht sehr viel Spaß sich das anzuschauen.
Mit diesen Lebenseindrücken verabschiede ich mich fürs Erste. Liebe Grüße nach Deutschland und in den Rest der Welt!

Mittwoch, 3. Oktober 2007

Wochenende in Montréal

Letztes Wochenende war hier wieder "week-end de fermeture" was für uns Assistenten schlicht und ergreifend 3 Tage frei am Stück bedeutet. Das haben wir dann mehr oder weniger spontan zu einem Ausflug nach Montréal genutzt, inklusive Übernachtung zu Hause bei Olivier (auf dem untersten Foto der zweite von rechts) und seinen doch etwas überraschten Eltern... Was am Freitag Abend, oder präziser in der Nacht, in der Innenstadt von Montréal los war ist wirklich enorm. Es waren Massen an Menschen in den Straßen, trotz der Tatsache, dass die letzten Metros um halb 2 fuhren, was uns nebenbei erwähnt dazu zwang, einen gut 90-minütigen Heim-marsch zu begehen. Am Tag danach gings dann noch zum Eislaufen, man muss sich ja schließlich auf die Haupt-Winter-Beschäftigung einstellen. Ich selbst glaub es noch am wenigsten, aber ich bin tatsächlich nur einmal gestürzt, dass auch nur wegen einer kleinen Göre, die meinen Weg gekreuzt hat ;-) Rundum, wir hatten viel Spaß und vor allem einmal richtig Abwechslung zum Alltag in der Arche, das braucht man manchmal einfach.


"mein" Auto

So langsam mach ich mich hier wirklich breit, deutliches Anzeichen dafür ist beispielweise die Tatsache, dass ich nach der nun überstandenen Probezeit mit dem Autofahren anfangen darf. Eine kleine Übungsstunde am Steuer dieses doch sehr schicken Chevrole Venture und schon mach ich die verkehrstechnisch, sagen wir...anders geregelten Straßen Kanadas unsicher! Praktischerweise hat der Wagen, wie so ziemlich jeder in Nordamerika, eine automatische Schaltung, umso mehr Zeit bleibt mir, mich mit der kanadischen, nennen wirs ruhig Vorfahrts"regelung" zu beschäftigen. Technische Details folgen aufgrund von temporär totaler Ahnungslosigkeit später...

Fußball ist unser Leben...

Selbst hier in Kanada bleib ich miener Leidenschaft treu. Nicht nur, dass man sich im Internet die Bundesliga ansehen kann, ich hba selbst hier im sporttechnisch gesehen recht amerikanisch geprägten Kanada die Gelegenheit Fußball zu spielen. Vorletztes Wochenende war es endlich mal wieder so weit, meine Freude darüber kann ich kaum beschreiben, es fehlt einem doch sehr. Wir haben ein Spiel gegen ein paar Bekannte des Vereins auf die Beine gestellt, immerhin 6 gegen 6, das nächste Mal sollen es aber mehr werden. Das schicke Deutschland-Shirt war danach von diversen Grätsch-u. Rutschanktionen mehr grün als weiß... Unten sieht man auch, dass selbst Yancey es sich nicht hat nehmen lassen, ein bisschen mitzukicken, auch wenns nur für einen Schuß gereicht hat...












La gang

Ein heiteres Salut in die Welt! Tja, aus den wohlwollenden Absichten ist wie zu erwarten gewesen nur in begrenztem Umfang etwas geworden, dafür kommt heute eine regelrechte Flut an neuen Einträgen, damit sich auch keiner beschweren kann ;-)

Nach langer Zeit haben wir es nun endlich hinbekommen, ein Gruppenfoto mit wirklich allen Mitglieder des Foyers zu fabrizieren welches ich nun nutze, um euch alle meine Mitmenschen hier einmal zu zeigen.

Fangen wir vorne rechts an, das ist der wunderbar fotogene Gilles, etwas über 50 Jahre alt und begeisterter Sänger. Dahinter die neue Assistentin aus Frankreich, Cécile, 25, die schon ein Jahr in der Arche in Lyon gearbeitet hat, also praktisch als Profi angesehen werden kann. Einen weiter haben wir dann Yancey, unser kleines Sorgenkind, weil er regelmäßig heftige Ausraster im Repertoire hat, sonst aber einfach nur ein putziger Kerl ist. Dahinter seht ihr die wirklich unglaubliche Isabelle, die nun schon seit 27 Jahren hier lebt, mit einigen Leuten von Anfang an! Die Arche ist ihr Leben, das Foyer ihre Familie, es ist einfach nur beeindruckend. Der leicht verdutzt dreinschauende Herr dahinter ist Patrick, meist ein wenig trantütig, verträumt, andererseits manchmal ein wahre Stimmungskanone. Er ist derjenige, der den Leuten immer auf den Kopf haut und dabei "boing" ruft, das nun schon seit Jahren, aber er findets immer noch lustig... Die Mähne einen Platz weiter vernachlässige ich mal, viel interessanter ist Marlyn daneben, die wie Gilles noch richtig arbeitet und auch sonst sehr selbständig ist, was allerdings manchmal darin ausufert, dass sie in so ziemlich alles ihre Nase steckt. Der Herr, der den Kopf rausstreckt ist Louis. Er hat bis vor einem Jahr im Foyer gelebt, ist dann aber in eine andere Institution umgezogen und besucht uns nun zweimal in der Woche. Der gute ist zweisprachig, versteht also sowohl Englisch als auch Französisch, fängt dementsprechend auch manchmal ohne Vorwarnung an, Englisch zu sprechen, allerdings nur für den seltenen Fall, dass er spricht - generell ist er eher den ganzen Tag müde und wacht nur dann auf, wenn er die Musik aus dem Grease-Musical hört, dann aber richtig... Neben ihn sieht man ein wenig von Martin, der halb-vietnamesisch halb-französische Assistent, der leider nur noch bis Dezember bleibt, ein wirklich lustiger Kerl und seines Zeichens "Responsable de Foyer", sprich der Boss. Folgend, leider ein wenig verdeckt, grinst Sophie in die Kamera, ein kleines Wunder, dass sie in dem Moment einmal kein Wort gesagt hat, sonst redet sie wirklich den ganzen Tag ununterbochen, meistens die selben Sachen, von früh morgens bis spät abends, trotzdem oder grade deswegen muss man sie einfach lieb haben... Zuguterletzt der auf Fotos immer grinsende Harold, der jeden zweiten Bewohner des Dorfes als seinen Kumpel bezeichnet und leidenschaftlicher Eishockeyfan ist.

Das ist sie nun, meine "Familie" für die noch bevorstehenden 10 Monate. Es sind wirklich tolle Menschen. Auch wenn es manchmal mit einigen wirklich anstrengend ist, das Leben hier ist unglaublich bereichernd. Und die Freude in den Gesichtern der Menschen auf dem Bild ist echt, und wird hier tagtäglich gelebt...

Hier seht ihr Harold, Gilles und Patrick nochmal ein wenig größer. Das Foto stammt vom Billardabend, den wir vor 2 Wochen gemacht haben. Und ja, ich trage Haarreifen - und ich steh dazu! ;-)