Tja, man glaubt es kaum, aber so ganz langsam vergeht die Zeit. Als ich vor einigen Wochen noch in meinen weiß-orangen vier Wänden saß, das große Abenteuer in Kanada vor mir, ohne allzu genau zu wissen was mich erwartet, hab ich mir immer meinen Geburtstag als zeitliches Zwischenziel vor Augen gehalten, dann wären bereits drei Monate vorbei und ich war schon damals gespannt darauf wie es mir ergehen würde. Und nun war es soweit, mein erster Geburtstag (sehr) fern ab von der Heimat und mir geht es bestens - was will man mehr...?
Ich habe wirklich einen unglaublich schönen Tag verbracht. Im Grunde genommen waren es zwei, da ich schon am Vortag um 9 Uhr nen Anruf aus Australien mit den ersten Glückwünschen zur dortigen Ortszeit bekommen hab (nochmal danke Franzi ;-) ) und mit Jakob, einem ehemaligen deutschen Assistenten der jetzt in Québec studiert und uns besucht hat und wie es das Schicksal manchmal will tatsächlich auch am 4. November Geburtstag hat, gegen 19.00 Uhr ET in unseren zeitlich gesehen deutschen Geburtstag reingefeiert hab... Der kanadische vierte November begann früh morgens mit einem Ständchen meines Foyers, was sich komplett in mein Zimmer gequetscht hat, inklusive Kuchen mit Kerzchen. Ein Ständchen hab ich dann später auch noch von meinem Kirchenchor bekommen, aber zum Glück in der Probe und nicht im Gottesdienst... Meine kleine Party stieg dann am Nachmittag, beginnend mit dem wohl prägendsten Moment meiner ganzen Zeit hier. Wir haben eine kleine Gebetsrunde gemacht und eine Kerze rumgehen lassen, wie bei den Geburtstagen hier üblich, und jeder hat ein paar nette Worte zu mir gesagt, wirklich jeder. Angefangen bei Isabelle, die meinte, dass sie meine Begeisterung für das, was ich hier tue beeindruckt hat über Gilles, den es freut wenn er mich beim Chor singen sieht, Harold, der sagte, dass er mich ganz doll mag bis hin zu Yancey, der mich einfach nur fröhlich angrinste und winkte...es war ein unbeschreiblich toller Moment. Ich kann hier natürlich nicht alles hinschreiben, aber das was die Menschen mit denen ich hier lebe gesagt haben, hat mich unheimlich glücklich gemacht und gibt mir viel Zuversicht für die Zeit, die ich noch vor mir habe.
Danach gab es mir zuliebe tatsächlich Ente zum Abendbrot, gefolgt von etwas, was ich eigentlich nicht für möglich gehalten hab, einem Haufen Geschenke. Was sich die Leute für mich haben einfallen lassen ist schlicht und ergreifend der Hammer. Wie auf dem Foto zu erkennen bin ich jetzt stolzer Besitzer einer eigenen Kochschürze und Mütze, gebastelt von meinem Foyer mit allen Unterschriften, einem Crêpes-Rezept für 4 Personen, einem weiteren Crêpes-Rezept für 4 Personen (wenn eine der 4 Personen ich bin...da haben die ganz dreist die Mengen vervielfacht, nur weil ich hier so viel und so gerne esse...). Dazu kam noch ein Buch über die 500 schönsten Plätze in Québec, vom anderen Haus ein Hemd und eine von Claude gemachte Karte und von meinen Mitassistenten 2 französische Taschenbücher um gegen meinen Lesefrust anzukämpfen (wie aussichtslos...;-) )

Zwischndurch klingelte dann noch das Telefon mit Glückwünschen aus Deutschland womit der Tag wirklich perfekt wurde, und es war immer noch nicht zu Ende... Abends, vielmehr nachts, als ich mich eh schon überglücklich in mein bescheidenes Reich zurückzog warteten noch einige Kärtchen, Briefe und ein Paket auf mich, an dieser Stelle vielen vielen Dank an alle! Die letzte Geburtstagskarte ist übriges vorgestern angekommen :-)
Es war ein rundum toller Tag und er kam irgendwie genau zum richtigen Zeitpunkt.