Samstag, 17. November 2007

Alltag und Abwechslung

Und schwupps da bin ich schon wieder, so ein freier Tag bringt glücklicherweise auch Zeit zum Schreiben mit sich...
Hier im riesigen Bundesstaat Québec fällt in den meisten Ecken schon Schnee, bei uns fängt es bisher nur ganz leicht an, aber das kommt noch. Der Herbst mit seinen sagenhaften Farben (besonders schön ist der Berg bei Sonnenuntergang...) zieht sich langsam aber sicher zurück und das Leben hier in der Arche nimmt seinen Lauf. Vor nunmher 2 Wochen haben wir das fast schon waghalsige Unterfangen gewagt, im leerstehende Foyer "la montagne" Laub zu harken, besser gesagt im Ggarten dieses Foyers, wobei Garten eindeutig zu verniedlichend ist, wie nebensetehendes Bild eindeutig beweist... Selbst mit einer 15 Mann und Frau starken Truppe haben wir mehr als 2 Stunden gebraucht um schlussendlich an die 90 Plastiksäcke voll zu machen!

Ansonsten läuft hier alles seinen Gang und so langsam gewöhne ich mich an meine 5 1/2-Tage-Woche, wobei Tag jeweils komplett gemeint ist, da es schonmal vorkommt, dass man nachts aufstehen muss... So ein 10-Mann-Haushalt macht viel viel Arbeit, angefangen vom Putzen übers Kochen (links mal mein letztes kulinarisches "Meister""werk", zartes Hackfleisch an gedünstetem Kohl im Tomatenbett ;-) ), bereits erwähntes Laubharken, Kellerausmistung und und und... Doch das Leben hier hat nahezu jeden Tag etwas Neues zu bieten. Alleine die Personen hier, die geistig behinderten Menschen mit denen wir Assistenten zusammen leben, sind immer wieder aufs Neue einzigartig, überraschend, manchmal auch anstrengend.

Die gesamte nächste Woche werde ich in Québec auf einer Ausbildung für alle neuen Assistenten der Arche sein, zusammen mit 4 anderen von hier und insgesamt 30 aus allen Ecken des Bundesstaates. Und nun kommt der kleine Hammer, darunter werden einige Deutsche sein, da ich ja nicht der einzige bin, der auf die Idee gekommen ist den Zivi im Ausland zu machen. Am Dienstag konnte ich bei dem 30-jährigen Geburtstag der Arche in Trois-Rivières schon zwei Deutsche kennenlernen, die praktisch dasselbe machen wie ich. Es war sehr spaßig, das was man hier erlebt mit Landsleuten zu teilen, die im Grunde das Gleiche machen, aber dennoch komplett andere Leben führen und völlig andere Sachen erleben. Die Woche wird sicher interessant...

Und ganz nebenbei, einer meiner Landsleute treibt sich immer noch in Kanada rum, Karlheinz Schreiber ist jetzt wieder in den Medien, weil er in diversen finanziellen Ungereimtheiten des Ex-Premier-Minister drinsteckt und die Opposition ihn jetzt als Informationsquelle hierbehalten, und vorerst nicht in die offenen Arme der deutschen Justiz schicken möchte. Ich denke es wird ihn freuen, es ist ja doch sehr schön hier ;-)

19...

Tja, man glaubt es kaum, aber so ganz langsam vergeht die Zeit. Als ich vor einigen Wochen noch in meinen weiß-orangen vier Wänden saß, das große Abenteuer in Kanada vor mir, ohne allzu genau zu wissen was mich erwartet, hab ich mir immer meinen Geburtstag als zeitliches Zwischenziel vor Augen gehalten, dann wären bereits drei Monate vorbei und ich war schon damals gespannt darauf wie es mir ergehen würde. Und nun war es soweit, mein erster Geburtstag (sehr) fern ab von der Heimat und mir geht es bestens - was will man mehr...?
Ich habe wirklich einen unglaublich schönen Tag verbracht. Im Grunde genommen waren es zwei, da ich schon am Vortag um 9 Uhr nen Anruf aus Australien mit den ersten Glückwünschen zur dortigen Ortszeit bekommen hab (nochmal danke Franzi ;-) ) und mit Jakob, einem ehemaligen deutschen Assistenten der jetzt in Québec studiert und uns besucht hat und wie es das Schicksal manchmal will tatsächlich auch am 4. November Geburtstag hat, gegen 19.00 Uhr ET in unseren zeitlich gesehen deutschen Geburtstag reingefeiert hab... Der kanadische vierte November begann früh morgens mit einem Ständchen meines Foyers, was sich komplett in mein Zimmer gequetscht hat, inklusive Kuchen mit Kerzchen. Ein Ständchen hab ich dann später auch noch von meinem Kirchenchor bekommen, aber zum Glück in der Probe und nicht im Gottesdienst... Meine kleine Party stieg dann am Nachmittag, beginnend mit dem wohl prägendsten Moment meiner ganzen Zeit hier. Wir haben eine kleine Gebetsrunde gemacht und eine Kerze rumgehen lassen, wie bei den Geburtstagen hier üblich, und jeder hat ein paar nette Worte zu mir gesagt, wirklich jeder. Angefangen bei Isabelle, die meinte, dass sie meine Begeisterung für das, was ich hier tue beeindruckt hat über Gilles, den es freut wenn er mich beim Chor singen sieht, Harold, der sagte, dass er mich ganz doll mag bis hin zu Yancey, der mich einfach nur fröhlich angrinste und winkte...es war ein unbeschreiblich toller Moment. Ich kann hier natürlich nicht alles hinschreiben, aber das was die Menschen mit denen ich hier lebe gesagt haben, hat mich unheimlich glücklich gemacht und gibt mir viel Zuversicht für die Zeit, die ich noch vor mir habe.

Danach gab es mir zuliebe tatsächlich Ente zum Abendbrot, gefolgt von etwas, was ich eigentlich nicht für möglich gehalten hab, einem Haufen Geschenke. Was sich die Leute für mich haben einfallen lassen ist schlicht und ergreifend der Hammer. Wie auf dem Foto zu erkennen bin ich jetzt stolzer Besitzer einer eigenen Kochschürze und Mütze, gebastelt von meinem Foyer mit allen Unterschriften, einem Crêpes-Rezept für 4 Personen, einem weiteren Crêpes-Rezept für 4 Personen (wenn eine der 4 Personen ich bin...da haben die ganz dreist die Mengen vervielfacht, nur weil ich hier so viel und so gerne esse...). Dazu kam noch ein Buch über die 500 schönsten Plätze in Québec, vom anderen Haus ein Hemd und eine von Claude gemachte Karte und von meinen Mitassistenten 2 französische Taschenbücher um gegen meinen Lesefrust anzukämpfen (wie aussichtslos...;-) )



Zwischndurch klingelte dann noch das Telefon mit Glückwünschen aus Deutschland womit der Tag wirklich perfekt wurde, und es war immer noch nicht zu Ende... Abends, vielmehr nachts, als ich mich eh schon überglücklich in mein bescheidenes Reich zurückzog warteten noch einige Kärtchen, Briefe und ein Paket auf mich, an dieser Stelle vielen vielen Dank an alle! Die letzte Geburtstagskarte ist übriges vorgestern angekommen :-)

Es war ein rundum toller Tag und er kam irgendwie genau zum richtigen Zeitpunkt.

Donnerstag, 8. November 2007

Schnappschuss des Montas Oktober

Darf ich vorstellen, dass Ergebnis eines gemütlichen Dienstagabends Ende Oktober, dem drei Kürbisse zum Opfer gefallen sind. Ja, es ist Halloween und Kanada zeigt mal wieder seine us-amerikanische Seite, indem wirklich die gesamte Gegend ein wenig durchdreht. Die Menschen sind tagsüber teilweise verkleidet zur Arbeit und in den Supermarkt gegangen, die Hälfte der Häuser (bei uns ist es also nicht ganz so schlimm) sind geschmückt, natürlich auch das unsrige wie man unten sehr schön erkennen kann. Einziger Haken für uns hier im Envolée an den Feierlichkeiten ist die Tatsache, dass Yancey außer vor Fliegen vor allem vor verkleideten Leuten und Dunkelheit Angst (öfers auch panische) hat, was sich insbesondere zu Halloween recht ungünstig macht. Aber er hat die Woche überlebt, wenn auch nicht ganz ohne teils brenzliche Momente...
Der Kürbis mit der übergroßen Nase, unten auf dem Foto mit Gilles zu sehen, stammt übrigens von uns beiden, jaha! :-)